Habe gerade diesen interessanten Beitrag im justetf Newsletter gelesen:
Ganz interessant, da der Artikel der gÀngigen Sichtweise eher widerspricht, dass der Aktienanteil vor der Pensionierung (und danach) schrittweise immer weiter reduziert werden sollte.
Voraussetzung ist, dass man starke Vermögensschwankungen ertragen kann (Börsecrashs), wobei diese etwas abgefedert werden können, wenn man bereit ist, die Entnahmen flexibel dem Börsenverlauf anzupassen.
Klingt interessant, aber ich habe zum GlĂŒck noch Zeit, bevor ich mich mit dem Thema konkret auseinandersetzen muss.
Vielleicht haben sich ja einige schon vertieft mit dem Thema auseinandergesetzt?
Wie ist euer Standpunkt dazu?
Hier eine Zusammenfassung des Artikels, erstellt mit Gemini:
Der Artikel auf justETF befasst sich mit einer provokanten These aus einer aktuellen wissenschaftlichen Studie: Die optimale Strategie fĂŒr die Altersvorsorge sei eine Aktienquote von 100 % â und zwar ein Leben lang.
Hier sind die Kernpunkte der Zusammenfassung:
- Das neue Risiko-VerstÀndnis
Klassischerweise wird Risiko oft mit VolatilitĂ€t (kurzfristigen Schwankungen) gleichgesetzt. Die Studie argumentiert jedoch, dass fĂŒr die Altersvorsorge das Pleiterisiko (Ruin Probability) entscheidend ist â also die Gefahr, dass das Geld vor dem Lebensende ausgeht.
- Anleihen mindern zwar die Schwankungen, erhöhen aber durch geringe Realrenditen und InflationsanfÀlligkeit langfristig das Risiko, dass das Kapital aufgezehrt wird.
- Aktien hingegen werden statistisch sicherer, je lĂ€nger man sie hĂ€lt (MittelwertrĂŒckkehr).
- Kritik am âLifecycle Investingâ
Die gĂ€ngige Regel â100 minus Lebensalterâ (mit zunehmendem Alter mehr Anleihen) wird kritisch hinterfragt.
- Anleger in herkömmlichen Stichtagsfonds (Target-Date Funds) mĂŒssen laut Studie bis zu 63 % mehr sparen, um das gleiche Schutzniveau im Alter zu erreichen wie mit einer 100-%-Aktienstrategie.
- Die Pleitewahrscheinlichkeit lag in den Simulationen bei 100% Aktien bei nur 6,7%, wÀhrend sie bei Mischportfolios auf fast 20% stieg.
- Die Rolle des Weltportfolios
Die Studie empfiehlt kein reines Investment in einen einzelnen Markt (wie nur US-Aktien), sondern ein breit diversifiziertes Weltportfolio (z. B. 33% Heimatmarkt / 67% international), um sich gegen regionale Krisen und Inflation abzusichern. - Umgang mit dem Crash-Risiko bei Rentenbeginn
Um das Risiko eines Börseneinbruchs direkt zum Renteneintritt (Sequence of Returns Risk) zu mindern, schlÀgt der Artikel zwei Lösungen vor:
- Taktischer Cashpuffer: Kurz vor Rentenbeginn wird ein Teil (ca. 27%) in kurzfristige Staatsanleihen umgeschichtet, der aber innerhalb weniger Jahre (bis zum Alter von 70) wieder komplett in Aktien investiert wird.
- Flexible Entnahme: Wer seine Ausgaben in schlechten Börsenjahren reduzieren kann, senkt sein Pleiterisiko nahezu auf Null.
Fazit und EinschrÀnkungen
Obwohl die Statistik fĂŒr 100% Aktien spricht, betont der Artikel auch die psychologische Komponente: - WohlfĂŒhlfaktor: Man muss einen theoretischen Wertverlust von ĂŒber 50% aushalten können, ohne in Panik zu verkaufen.
- Gesetzliche Rente: Diese fungiert bereits wie ein âsichererâ Rentenbaustein, was eine höhere Aktienquote im privaten Depot rechtfertigen kann.
- Individuelle Entscheidung: Die Strategie erfordert starke Nerven und ein ausreichend groĂes Startkapital fĂŒr FlexibilitĂ€t bei den Entnahmen.