Wie seid ihr mit dem Thema Geld umgegangen, respektive was habt ihr von euren Eltern mitgenommen?

Hoi Zäme

Mich würde interessieren, welchen Umgang mit Geld ihr von euren Eltern, der Familie, den Freunden usw. mitgenommen habt? Wie hat euch das in euren 20ern, 30ern, 40ern usw. geprägt? Was würdet ihr eurem jüngeren Ich gerne mitteilen?

Ich fange sonst direkt mal an: Bei meinen Eltern war Geld immer ein Problem und man musste oft “jonglieren”, gespart wurde nie und wird auch heute nicht. Geld das rein kommt wird mit beiden Händen ausgegeben, eher noch mehr als eingenommen wird. Leasing, Kredite, Schulden sind absolut normal. Investiert wird nicht.

Ich fand es dann sehr schwer mir ein anderes Mindset anzueignen. Wenn mir etwas gefallen hat, dann wollte ich es jetzt und kaufte es, egal ob es ins Budget passte oder nicht. Ich kann mich an die 1. Steuerakonto erinnern die ich erhalten habe. Meine Mutter meinte, die muss ich nicht zahlen, erst die Schlussrechnung und da kann man dann auch Raten vereinbaren, alles kein Problem. Stimmt schon aber… Ideal ist anders. Stress und schlaflose Nächte weil das Geld trotz gutem Lohn nicht reichte und ich Rechnungen nicjr bezahlen konmte waren an der Tagesordnung. Es dauerte einige Jahre bis ich aus diesem “Teufelskreis” raus kam, aber ich bin froh hab ich es noch in meinen 20ern geschafft und habe jetzt noch viel Zeit zum verbessern meiner Finanzen vor mir.

Teilt gerne eure Geschichte, wenn ihr wollt :slight_smile:

4 „Gefällt mir“

OK, vom Elternhaus habe ich eher den strengen Umgang mit Geld gelernt. Keine Schulden, Rechnungen sofort bezahlen, etc. Aber auch nichts erhalten und leider auch nichts in Sachen Investieren gehört.

Mit etwa 30, habe ich gedacht, das muss jetzt ändern. Ich habe mir damals einen ‘Vermögensverwalter’ gesucht, UBS gefunden (leider!) und einen Fonds-Sparplan eröffnet. 300.- jeden Monat eingezahlt, in 3 Fonds (CH, EUR, USA). Das hat schnell gefruchtet, trotz teuerer Fonds und es gab damals auch noch keine ETFs. Somit hat dieser ‘Sparplan’ mit Aktienfonds über etwa 10 Jahre meinen Grundstein gelegt. Höchst sinnvoll!

Leider bin ich dann irgendwann dazu überredet worden, ein Vermögensverwaltungsmandat bei besagter Bank zu machen und das hat nachweislich zu einer schwachen Rendite geführt (kaum 2, oder 3% in guten Jahren, aber den vollen Verlust in schlechten Jahren). Somit habe ich auf die harte Tour gelernt, dass das weniger bringt, als simple 3 Fondsanteile zu haben und die einzige Expertise darin besteht, mein Geld auf unbemerkte Weise abzuzwacken.

Bei AKAD habe ich mich weitergebildet (Finance Kurs) und dann war die Sache klar: ETF’s, ETF’s, ETF’s und so niedrige Gebühren wie möglich! UBS gekündigt, selber machen!

Klar gibt es auch Rückschläge (im Jahr 2022 ganze 15% Verlust und trotzdem gut geschlafen), aber es lohnt sich über die Zeit. Ganz sicher. Dieses kleine, von mir selber erarbeitete Vermögen gibt mir enorme Freiheiten, vielleicht auch nur eingebildet, aber keine Geldsorgen zu haben ist einfach super schön! :blush:

Ich gestehe mir aber auch ein, dass ich die Börse nicht verstehe, oft reagiert alles ganz anders als ich vermutet hätte. Daher trade ich kaum, ich bleibe bei meinem langfristigen Plan und korrigiere ganz behutsam einmal im Jahr an meinen ETF’s.

Vielleicht noch eine Sache zur Motivation: kleine Erfolge für sich selber feiern:

  • das erste Mal 6 Saläre auf der Seite zu haben, befreit vor unliebsamen Chefs.
  • 24 Monate Einkommen auf der Seite, gibt grosse Freiheitsgefühle. Etc, etc.
3 „Gefällt mir“

Vielen Dank für deine Offenheit! :smiley:

Selbst gelernte Banker machen nicht alles “von Anfang an” richtig. Ich kann mich erinnern, dass einige Fondsmanager in der Abteilung Portfolio Management während meiner Ausbildung vor mehr als 10 Jahren explizit nicht bei der Bank investiert waren sondern bei Swissquote. Natürlich weiss ich nicht worin genau aber eigentlich sagt das doch schon viel aus, dass Leute die ihr täglich Brot mit Investieren verdienen nicht bei ihrem Arbeitgeber - einer klassischen Bank - investieren, sondern woanders.

Glücklicherweise hat sich in den letzten Jahren auf dem Finanzmarkt viel getan was eben wie du sagst das Angebot an ETF angeht und auch was kostengünstigere Angebote als klassische Banken angeht :smiley:

1 „Gefällt mir“

Spannendes Thema! :wink:

In meiner Erziehung wurde mir gar nichts über das Investieren beigebracht. Natürlich war Geld ein Thema. Z.B. wurde das Sackgeld so abgegeben, dass es auch einen Lerneffekt hatte. Auch musste ich einen nicht kleinen Teil des Lehrlingslohnes abgeben und mir wurde erklärt, was eine Wohnung und das Leben so kostet. Es wurde ab und zu darüber gesprochen, dass man nicht alles ausgeben und “sparen” soll. Das war es aber auch mit dem Thema Geld.

Der Lerneffekt war dementsprechend klein und bis ich ca. 29 war, habe ich jeden verdienten Franken sorglos aus dem Fenster geschmissen. Ferien, CityTrips, viel zu teure Autos, Ausgang, etc. Es wurde nie gespart, auf dem Sparkonto lagen max. 2’000 CHF als “Sicherheit” (mit heutigem Wissen absolut lächerlich :joy: ).

Ich habe mich dann immer mehr dafür interessiert und mir das Wissen selbst angeeignet. Das Thema wurde regelrecht zum Hobby und ich saugte Wissen nur so auf. Selbstverständlich bin ich auch aufs Maul gefallen und hab Lehrgeld bezahlt. Aber das gehört wohl dazu. Heute ist es so, dass ich meine Familie und auch Freunde im Thema Finanzen unterstütze. Ich bin mega stolz, was in knapp 6 Jahren alles möglich ist. Von “was kost’ die Welt” zu einem gut gefüllten Portfolio nur mit “zuerst investieren, dann leben” und das ohne ein einziges Mal auf etwas zu verzichten.

5 „Gefällt mir“

Eine sehr spannende Diskussion habt ihr da gestartet! Vielen Dank für eure Offenheit :slight_smile:

Bei mir war es ähnlich: Zuhause wurde nicht viel über Geld gesprochen, aber ein paar Punkte wurden rückblickend positiv gesetzt:

  • Mein eigenes Geld verdienen und teilweise Abgabe vom Lehrlingslohn ( ärgerte mich anfangs tierisch :smiley: - bekam ich später zurück )
  • Steuererklärung selbst machen / verstehen wurde mir früh gezeigt
  • Sparen war immer gross (teilweise absurd)
  • Investments (zwar über die VV der Hausbank, aber immerhin) wurden vorgelebt

Verändert haben mir dann aber früh Bücher, Kurse und Youtube-Videos.
Am besten lernt man Finanzen wohl auch mit den eigenen Erfahrungen - aber Inputs sind natürlich Gold wert.

Bei meinen Kindern möchte ich es anders machen. So habe ich für meine Tochter bspw. bereits zu ihrer Geburt investiert (hier mehr dazu).

Weil ihr es erwähnt habt: Die Mitarbeiter von vielen Banken werden übrigens vertraglich gezwungen, beim Arbeitgeber zu investieren. Wäre ja sonst schlecht fürs Image :slight_smile:

4 „Gefällt mir“

Danke auch euch für eure Offenheit! :smile:

Meinen Kids will ich eben auch gerne bereits ein besseres Grundwissen mitgeben, aber vermutlich werden auch sie, wir wir alle erstmal ihre eigene Sache machen, vielleicht kleine oder grosse Fehler, Lehrgeld zahlen usw. Trotzdem hoffe ich, dass sie durch meine Vorarbeit eine bessere Basis haben :wink:

Keine Ahnung wie das bei anderen Banken aussieht aber bei meinem ehemaligen Arbeitgeber, einer Regionalbank, mussten wir jährlich deklarieren wo wir sonst noch investiert waren und in was. Es gab gewisse Titel und Investments die verboten wurden. Aber ob sich da wirklich alle ans Offenlegen gehalten haben… :woman_shrugging:t2:

3 „Gefällt mir“

Hi

Bei mir hiess es immer sparen sparen sparen. Das können wir gut in der Familie!

Irgendwann musste ich aber lernen, dass man nur mit sparen nicht wirklich weit kommt!

Dementsprechend habe ich mich dem Thema Investieren gewidmet!

Aktuell investiere ich in p2p, Aktien, ETFs und Cryptos.

Gruss

Alessandro

5 „Gefällt mir“

Hoi mitenand

Interessante Frage!

Bei unseren Eltern lernten wir, mit dem Sackgeld sorgsam umzugehen. Ich erinnere mich, als ich mit meinem Bruder im Spielwarengeschäft uns umgesehen haben und diesen und jenen Modelbausatz, ein Auto usw. angesehen haben. Ich hatte 15 Franken dabei. Was mich interessiert hätte, war eben teurer. Also stellte ich es ins Regal zurück. Schliesslich fuhren wir mit unseren einfachen Rädern ohne einen Kauf zurück. Ein wenig Bedauern blieb zurück, das bald verflog. Wir waren trotzdem wieder zufrieden. Unsere Eltern wirtschafteten gut mit dem verfügbaren Geld. Grosse Sprünge waren nicht möglich wie Ferien mit Flugzeug. Ausflüge, meist zu Fuss, da wir uns lange kein Auto leisten konnten. Dennoch blieben Aktivitäten unvergesslich und wir lernten Wertschätzung für einfache Dinge.

Unsere Eltern kannten sich mit Investieren nicht aus. Sie haben sich nicht damit befasst. Dadurch haben wir Kinder nicht dazu lernen können. In meinem Berufsleben habe ich später in diverse Fonds und Aktien investiert. Teils mit gutem Erfolg, teils hat die Bank profitiert. Ich bedaure, damals nicht in Obligationen investiert zu haben, als Zinsen von 7-8% gezahlt wurden. Ich hatte irgendwie keinen Zugang zum Investieren und übte mich in (falscher) Zurückhaltung. Könnte ich das Rad zurückdrehen, würde ich bereits im Kindesalter mit Investments beginnen. Meinen Kindern kann ich nun eine bessere Basis vermitteln.

4 „Gefällt mir“

Vielen Dank für diesen Einblick und Sprung durch die Zeit!

1 „Gefällt mir“